Von der Schönheit der Natur

Ich stehe vor dem vollen Grün des saftigen Grases, welches wunderbar frisch duftende weiße Blüten umarmt, die so weit reichen wie das Auge blicken kann. Das Gras geht ganz unauffällig in ein natürliches Blumenbeet über – darin befinden sich paradiesische Tulpen, die teils in einem leidenschaftlichem Weinrot und teils in einem zarten Gelbton von der Einheit Gottes kundgeben. Die Tulpen erblühen nebst Ehrfurcht gebietenden, Jahrhunderte alten, majestätische Ruhe ausstrahlenden, verästelten Bäumen, deren aufgehende rosane Knospen sich gemeinsam mit den Tulpen und dem Gras im sanften Wind wiegen.

“Wenn ihr Gottes Gaben zählen wolltet, würdet ihr sie nie erfassen können. Gott ist allverzeihend, allbarmherzig.”
(Surat an-Nahl 16, Vers 18)

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Überall sieht man nun die Vorboten des Frühlings, in welchem Totgeglaubtes in allerlei unterschiedlicher Facon und voller Schönheit wiederbelebt wird, so, als hätten sie sich lediglich einem erholenden Winterschlaf hingegeben.

Die wohltuende Sonne blendet mich, als ich meinen Blick gen Himmel richte.
Es gibt weit und breit keine einzige Wolke, stattdessen nur das helle Blau des Himmelmeeres, in welchem ein gelber Lebensspender, der überallhin wohlige Wärme ausstrahlt, namens “Sonne” krönt.

“Und Der sieben harmonische Himmel erschaffen hat. In der Schöpfung des Barmherzigen findest du keine Ungleichmäßigkeit. Schau hin! Findest du irgendeinen Mangel?
Schau immer wieder hin! Dein Blick findet keinen Mangel und kehrt ermüdet und erfolglos zu dir zurück.”
(Surat al-Mulk 67, Vers 3f.)

Geradezu berauscht von dem Kitzeln der Sonnenstrahlen auf der bloßen Haut, bemerke ich eine faszinierende Klangoase. Es ertönt das melodische Zwitschern der Vögel, deren unterschiedliche Arten gleichsam unterschiedlicher Instrumente eines Orchesters vielfältige Melodien von sich geben, und sich diese dann in einem harmonischen Lied des Lebens vereinen.

Tihane

Gerade als man in die Grazie des tierischen Orchesters tranceartig versunken ist holt einen der Freiheit duftende Flug der singenden Kohlmeise wieder ein – der einen an eine wichtige Tatsache erinnert: Nur wer sich in Bewegung setzt kann mit der Gnade Allahs die Schwerkraft besiegen.

“Sehen sie nicht, wie die Vögel über ihnen die Flügel ausbreiten und zusammenfalten? Der Barmherzige allein hält sie in der Luft. Er sieht alles genau.”
(Surat al-Mulk 67, Vers 19)

Alles befindet sich hier in ständiger Bewegung. Das Gras wiegt sich im Wind, die Vögel fliegen zwitschernd umher, die unzähligen, fast unsichtbar kleinen Ameisen bauen fleißig an ihrem Erdpalast, schnurrende Katzen aus den naheliegenden Häusern biedern sich den heiteren Kindern an um gestreichelt zu werden, während die Kinder wiederum voller leuchtender Lebenslust tanzend umhertollen. Zeitgleich sind wir Erwachsenen, vernünftigen Menschen, diejenigen, die die atemberaubende Schönheit des vom absoluten Gestalter erschaffenen Naturspektakels leichtsinnig verkennen. Es ist der faszinierende Zyklus des Lebens und des Todes, der Wiederbelebung des Vergangenen, der Lebenslust und der Niedergeschlagenheit , der Kraft und der Schwäche.

Alle Worte können nur eine ungenügende Beschreibung der imposanten Schönheit der Natur sein, das weiß ich, aber die Schönheit der Natur ist auch nur ein winziger Abglanz der unendlichen und unermesslichen Schönheit Allahs.

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“In der Erschaffung der Himmel und der Erde, dem Wechsel von Tag und Nacht, den Schiffen, die die Meere mit Menschen und Gütern befahren, dem Wasser, das Gott vom Himmel herabsendet, um die tote Erde zu beleben, den verschiedenartigen Lebewesen, die die Erde bevölkern und den Winden, die ihre Ordnung haben, den Wolken, die zwischen Himmel und Erde schweben, in all diesem liegen Zeichen für Menschen, die sich des Verstandes bedienen.”
(Surat al-Baqarah 2, Vers 164)