Frei,  Literatur

Das Herz auf der Waage

Ein Herz wurde mir gegeben und es ist erstaunlich,
es kommt der Moment, in dem es lebt, und im nächsten ist es sterblich.
 
Manchmal bricht der Winter ohne Vorwarnung über das Herz ein,
im nächsten Moment vertreibt der Sommer jede Pein.
 
Manchmal verschlägt es dem Herzen jede Sprache,
manchmal hält die Worte keine Wache.
 
Es erhebt sich auf zum Himmel – wenn es will,
plötzlich liegt es am Boden – reglos und ganz still.
 
Manchmal ist es wie ein Tropfen auf den heißen Stein,
manchmal, vermag es wie ein Ozean zu sein.
 
Manchmal führt dessen Dummheit in die Irre,
manchmal, verleiht es dem Weisen eine Stimme.
 
Manchmal, gefühlt ein König, geht es unter,
manchmal, wie ein Bettler, erschafft es unglaubliche Wunder.
 
Manchmal klein, übersehen wird es an seiner Stelle,
manchmal, überwältigend groß wie beim Tsunami eine Welle.
 
Es verbeugt sich manchmal wie ein demütiger Diener,
manchmal, ist es Herrscher, König, Sieger.
 
Von Zeit zu Zeit vergisst es die Wahrheit, die es innehat,
doch dann füllt es sich mit Glauben, der es lebenswert macht.
 
Manchmal baut es sich auf, gegen dich in schonungsloser Rebellion,
manchmal ist es Untertan und der Verstand besetzt den Thron.
 
Die Sünden in Erinnerung führt es ausschließlich zur Hölle schnell,
erinnert es sich an die Gnade Gottes, wird die Zukunft wieder hell.
 
In einem Moment schenkt es Leben, allem was in der Umgebung liegt,
plötzlich hat der Tod selbst das stärkste Herz besiegt.
 
Der Mensch ist gebaut, um zu lieben und zu hassen,
jedoch darf er den Weg der Mitte nicht verlassen.
 
Mit Weltlichem nicht zu erklären,
ersetzt ein Blick auf unser Herz so manche Lehren.

Inspiriert vom Gedicht „Hak bir gönül verdi bana“  des Dichters Yunus Emre

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