Politik

Istanbul-Journal — Tag 1-3 — Der Terrorismus

Es ist ein Trauma für die ganze Nation, als in der südöstlichen Provinz der Türkei, in Suruç, ein Terroranschlag von enormer Brutalität seinen Lauf nimmt: Ein ISIS-Terrorist sprengt sich selbst und 32 Zivilisten in die Luft, die für die Stadt Kobanî Hilfe organisieren wollten.

Daraufhin bricht in der Türkei ein ganzer Sturm los:

Die Türkei startet vermehrt Luftangriffe auf ISIS-Stellungen in Syrien, welche sie schon seit Oktober 2013 als Terrororganisation offiziell eingestuft haben, noch knapp ein Jahr vor Großbritannien.

Zeitgleich beginnt die extremistisch-marxistische Terrororganisation PKK einen „Rachefeldzug“ gegen die Türkei: „Als Vergeltung für den Anschlag von Suruç hat die PKK zwei Polizisten getötet.“ (Zeit) – während diese schliefen (!), und insgesamt werden drei weitere Soldaten der türkischen Armee ermordet. Das begreift die Türkei als Grund genug, um den von der PKK einseitg gebrochenen Friedensprozess als gescheitert zu sehen, da als ein fundamentales Kriterium des Waffenstillstands die Entwaffnung der Terrororganisation ausgehandelt wurde, aber geschweige denn einer Entwaffnung, weitere Terroranschläge erfolgten. Die Türkei möchte das aber nicht als gesamten Fehlschlag des Friedensprozess mit den Kurden sehen, da die PKK keine legitime Vertretung der Kurden ist – sie vertritt nur radikal-marxistische Strömungen im kurdisch bevölkerten Gebiet der Türkei, sondern sie möchte fortan vor allem die kurdische Bevölkerung besser miteinbeziehen und gemeinsam mit ihr den Frieden vervollkommnen, statt ihn von den Aktionen und der Willkür einer Terrororganisation abhängig zu machen.

Daraufhin, nach den heimtückischen Morden, flog die türkische Luftwaffe parallel Angriffe auf ISIS und PKK-Stellungen – beides Terrororganisationen, die sich in ihrer Brutalität und ihrem Menschenhass einen regelrechten Wettbewerb liefern.

Die PKK, die in der Türkei an die 10.000 Sicherheitskräfte und mindestens 5.000 Zivilisten brutal ermordert hat – meist genauso heimtükisch und menschenverachtend wie die ISIS (siehe das Massaker von Başbağlar) – wird durch ihren zeitgleichen Kampf gegen die ISIS in ihrem Image aufgebessert, sodass mittlerweile manche nur noch von der „in der Türkei verbotenen Arbeiterpartei“, „kurdischen Rebellen“, „kurdischen Arbeiterpartei“ oder gar von „Unabhängigkeitskämpfern“ sprechen.

Eine Politikerin der Linken nimmt die PKK sogar direkt in Schutz, als sie von dieser einfach nur noch als „Kurden“ und nicht einmal als einer Gruppe, die einen relativ kleinen Anteil an Kurden vertreten soll, spricht:
„Es ist zynisch zu behaupten, die Türkei bekämpfe jetzt endlich den islamistischen Terror, wenn Erdogan zeitgleich Stellungen der Kurden im Nordirak angreifen lässt. Erdogan nutzt die Offensive, um eine Vergrößerung der kurdischen Selbstverwaltungsgebiete zu verhindern“
Kommunisten unterstützen Kommunisten, auch wenn diese zehntausende Morde mit einer ungeahnten Brutalität zu verantworten haben?

Zur Information: Die PKK wird nicht nur durch die Türkei als Terrororganisation eingestuft, sondern auch durch die USA und die EU – und vor allem auch unser deutscher Staat stuft die PKK als Terrororganisation ein. Ihre tödliche Brutalität gegenüber Andersdenkenden und Oppositionellen und ihr menschenverachtendes Weltbild des Marxismus wird nicht durch ihren Kampf gegen eine andere menschenverachtende Terrororganisation relativiert! Vergleichbar wäre es zu sagen: Lasst uns doch mit der RAF gegen die rechtsextremistischen Vereinigungen in Deutschland kämpfen – die sind ja besser! Nein – Extremismus bleibt Extremismus, und Terrorismus ist Terrorismus, egal von welcher Richtung er kommt, ob religiös, rechts oder links.

Türkische Nationalisten sagen jetzt: „Wir haben es euch doch gesagt, mit den Kurden gibt es keinen Frieden. Das muss man mit eiserner Hand angehen und unseren Frieden und unsere Sicherheit müssen wir uns erkämpfen!“ und nutzen das emotionale Trauma durch die zeitnahen Anschläge von den terroristischen ISIS und PKK für ihre politischen Zwecke und zur Mobilmachung gegen die gesamte kurdische Bevölkerung aus – gruselig und äußert gefährlich!

Kurdische Nationalisten aus dem marxistischen Milieu sagen jetzt:
„Wir haben es euch gesagt, mit den Türken gibt es keinen Frieden. Das muss man mit eiserner Hand angehen und unsere Rechte müssen wir uns erkämpfen!“ und nutzen das emotionale Trauma durch die zeitnahen Anschläge von den terroristischen ISIS und PKK, sowie den Bombardements der türkischen Luftwaffe gegen Stützpunkte der extremistischen PKK für ihre politischen Zwecke und zur Mobilmachung gegen die Türkei aus – genauso gruselig und genauso gefährlich!

Was die Türkei jetzt braucht sind starke kurdische Persönlichkeiten, die mutig genug sind, trotz ständiger Lebensgefahr durch die Verbrecher, öffentlich gegen den menschenverachtenden Terror der PKK einzutreten und mit ihrem Namen für den Frieden zwischen Türken und Kurden zu stehen.
Die Türken sollten weiterhin und verstärkt gegen die ISIS vorgehen und die normale syrische Revolution (FSA) gegen diese unterstützen, damit die ISIS den arabischen Frühling nicht überall hijacken kann. Außerdem muss die Türkei noch offensiver für die Partizipation von kurdischen Bürgern im Staat werben, denn, so glaube ich: Ein kurdischer Präsident in der Türkei würde auch die kurdischen Mitbürger zu mehr demokratischem Engagement animieren und somit das Terrorproblem langfristig lösen.
Wir Deutsche müssen vorsichtig sein, wem wir unsere Unterstützung zollen und uns nicht für niedere politische Zwecke ausnutzen lassen. Wir haben die tödlichen Anschläge der PKK in Deutschland nicht vergessen!

%d Bloggern gefällt das: